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Ein Interview mit Boris
Becker stand eigentlich nicht auf dem Programm, als ich mich am Sonntag,
dem 23. Mai 2004 aufmachte, zum dritten Tag der Mallorca Grand Champions
mit Henry Leconte, Masur Bahrami, Michael Stich und eben Boris Becker
u.a..
Vorgesehen war, von diesem Turnier und seiner Atmosphäre Eindrücke zu
vermitteln, eventuell auch vom Turnierspiel von Boris Becker der zum
Turnierabschluss im Duell mit dem Franzosen Henry Leconte, - einem früheren
Klassiker vieler ATP-Turniere -, eingeplant war.
Aber dann kam manches anders. Boris Becker verletzt, er selbst spricht
von Erkrankung bereits vor dem Match gegen Michael Stich, das er am
zweiten Veranstaltungstag diesmal nicht für ihn erfolgreich beenden
konnte.
Statt
Boris Beckers Erscheinen auf dem Tennisplatz wurde ich gleich nach
Beginn des Turniertages in eine kleine Runde im VIP-Bereich zum
Interview mit diesem gebeten, ein kleiner Tisch im Grünen der schön
angelegten Tennisanlage.
Hinterfragt wird hier seine neuerliche Verletzung, eine Zerrung, und
unterstellt, dass bei verfrühtem Ausstieg aus diesem Turnier wie in der
Vergangenheit dieses Turnier wohl kaum unter einem guten Stern stünde.......
Leicht genervt ist Boris Becker sogleich bemüht, den Sachverhalt
zurechtzurücken:
Sein erster vorzeitiger Ausstieg liege bereits zwei Jahre zurück, im
vergangenen Jahr hätte doch alles geklappt, er habe das Turnier im übrigen
gewonnen. Und auf Nachfrage: Er freue sich auf die Neuauflage des
Turniers im Jahre 2005 auf Mallorca.
Vor Ort auf Mallorca interessieren natürlich auch seine langfristigen
Aktivitäten auf der Deutschen beliebtesten Ferieninsel, weshalb ich mir
gestattete die Fragen anzufügen „Herr Becker....... wie sieht es mit
künftigen Plänen zu von ihm organisierten Tenniscamps auf Mallorca
aus........Sie haben doch auf Ihrer Finca .......“. Die Antwort
sinngemäss: „Er habe sich doch niemals offiziell zu diesem Thema gäussert
und immer wieder diese Gerüchte.....“.
Das klingt glaubhaft und ich beginne über die Plage der Gerüchteküchen
bei medienöffentlichen Personen unserer Gesellschaft nachzudenken. Gut,
so gesehen geht es mir doch besser als ihm. Aber natürlich gibt es auch
andere Aspekte.
Nun, das Interview muss weitergehen, kommen wir zu einem psychologisch
neutralerem Thema: „Herr Becker, im Rahmen dieses Turniers wird eine
revolutionär neue Tennisschlägerform mit gebogenem Griff und quer
versetztem Schlägerkopf vorgestellt, die angeblich bereits offiziell
zugelassen sein soll. Was halten Sie denn davon?“
Leider war auch diese Frage nicht sonderlich gelungen. Der revolultionär
neue Tennisschläger war Boris Becker noch gar nicht aufgefallen. Eine,
- wie auch immer gestaltete – fachliche Bewertung war ihm nicht möglich
und „Sie wissen ja sicher, dass ich die Schlägerfirma Völkl repräsentiere.“
Nun, ich wusste dies nicht, ein möglicherweise verzeihbares Manko?
Frageversuch Nummer drei: „Wir haben hier auf Mallorca die
Internettennisbörse www.tennisboerse-mallorca.de
initiiert, um die Tennispartnersuche zu erleichtern. Sie kommen ja
international viel rum, kennen Sie ähnliche Modelle und können Sie uns
vielleicht die eine oder andere Anregung dazu geben?“
Herrn Becker war Vergleichbares noch nicht untergekommen und mit dem ihm
eigenen Anflug von dezentem Humor fügte er hinzu, er habe noch keine
Schwierigkeiten gehabt, Tennispartner zu finden. Keine Ursache Herr
Becker, das bezweifeln wir nicht.
Übrigens: Der dritte Tag des Tennisshowturniers fand auch ohne Boris
Becker in einer angenehmen, fast privaten Atmosphäre mit auflockernden
Einlagen statt und der Tennisstar dürfte bei gesamtheitlich
wohlwollender Grundeinstellung doch eher als angenehmer Zeitgenosse
einzustufen sein. Sicherlich auch das ist ein Vorurteil, aber ohne
solche können wir Menschen uns leider nicht orientieren.
Wäre er allerdings neben der Interviewrunde noch kurz vor das
allgemeine Publikum getreten, um mit einigen humorvollen Worten im
direkten Kontakt auf seine Spielverhinderung hinzuweisen, wären ihm
sicherlich noch mehr Sympathien zugeflogen. Vielleicht hätte ein
„gezerrter“ Becker auch mit einem Satz in Schiedsrichterfunktion bei
einem anderen Spiel seiner teilweise verhinderten Protagonistenrolle des
Turniers noch besser gerecht werden können, denn kleine Gesten haben
oft grosse Wirkung.
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